Frozen Charly

Zeichnung: Tilo Richter

Ein Comic- & Animationsfilm-Band

Mehr als 30 junge Zeichnerinnen und Zeichner aus Hamburg, Udine, Urbino, Zwolle und Angouleme zeichneten Comics und stellten Animationsfilme her, die nun in dem 720 Seiten starken Almanach "Frozen Charly" voller Bildgeschichten und auf der beiliegenden DVD (52 Trickfilme) zusammengefasst sind.

Die "Max und Moritz"-Preisträgerin und Hamburger Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaft Anke Feuchtenberger ist Herausgeberin dieses Almanachs. Die Künstler sind talentierte Nachwuchszeichner und Animationsfilmer aus mehreren europäischen Städten.

Die Kanzlei Dr. Bahr ist einer der Hauptsponsoren dieses Kulturprojekts. RA Dr. Bahr ist seit vielen Jahren Justiziar des Interessenverbandes Comic (ICOM) und selbst bekennender Comic-Fan.

Zum Inhalt:
Alle Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Die Figur "Frozen Charly". Frozen Charly ist eine Badepuppe aus Porzellan aus dem frühen 19. Jahrhundert. Sie existiert in vielen Varianten, mit wellig dunklem oder blondem Haar, mit braunen oder blauen Augen.

Ihre Arme und Beine lassen sich nicht bewegen, stehen senkrecht von ihrem weißen, immer nackten Körper ab, oder sind in den kleineren Ausführungen an den Körper geschmolzen. Ihr Körper ist komplett wasserdicht, bis auf ein Löchlein im Hinterteil.  

Die einzigen lebendigen Farben sind die zart erröteten Wangen und der rote Mund. Die Puppe verkörpert das charakterlich und sexuell noch nicht geformte ICH in Unschuld und Allwissenheit. Ihre grässliche Schönheit birgt in sich eine sehr europäische Vergangenheit, eine Tradition von Erziehung. Es gibt noch keine Geschichten über Frozen Charly, außer jener etwas läppischen, zu finden im Internet: Das Mädchen Charlotte geht - trotz der Warnungen ihrer Mutter und trotz der eisigen Nacht - leicht bekleidet zum Tanzen aus und wird folgerichtig zur Strafe und zur Warnung für alle ungehorsamen Kinder am nächsten Morgen steif gefroren im Schnee gefunden.

Zeichnung: Tilo Richter

Frozen Charly an seinem/ihrem originalen Ort  zu sehen, hieße  Charly im Badezimmer zu sehen. Das Badezimmer ist als Ort der privaten Hygiene verbunden mit Erfahrungen der frühen Kindheit, mit Erfahrungen von Intimität und Geschlechtlichkeit, Tabu, Selbsterkenntnis und Sinnlichkeit. Die Puppe Charly als Protagonist dient den jungen ZeichnerInnen als Maske, um sich mit dem Thema Familie auseinanderzusetzen. 

Unscharfes Vorbild ist Collodi mit seinem Pinocchio, der ursprünglich ein Stück Holz ist, aus dem sich der Meister Geppetto einen Sohn schnitzt.

Zeichnung: Tilo Richter

Gänzlich unbeschrieben, muss er schon durch alle Unwegsamkeiten des erziehungsfixierten 19. Jahrhunderts, auf der Suche nach seiner richtigen Familie.

Die Familie ist ein Ort der Macht, der Geborgenheit. Familie ist Schicksal. Die Familie kann ein schöner Ort sein und ein schrecklicher. Dort fängt alles an, egal wie komplett die Familie ist, wie groß oder wie reduziert. Spätestens wenn man die Familie verlassen hat, holt sie einen/eine wieder ein. In den Gedanken, in den Erinnerungen, in der Auseinandersetzung mit den alten Beziehungsmustern und den neuen Beziehungen, die der nun erwachsene Mensch scheinbar unabhängig leben möchte.

In der Familie wird das Wesen geprägt: vom Erbgut der Eltern, von den Umständen der Geburt, von den in der Familie anwesenden Familienmitgliedern, von ihrer Nichtanwesenheit, von den Traditionen und sogar vom Namen, den man sich nicht selbst ausgesucht hat. Interessant dabei ist für das Projekt, dass die frühen Erfahrungen eines Kindes mit dem Ort Familie sich unausweichlich in seinem Erwachsenenleben manifestieren.

Webseite: http://www.mamiverlag.de/frozen-charly/

Webseite Tilo Richter