LG Düsseldorf: DDoS-Angriffe sind strafbare Computersabotage

14.06.2011

DDoS-Attacken sind rechtlich als strafbare Computersabotage einzustufen, so das LG Düsseldorf (Urt. v. 22.03.2011 - Az.: 3 KLs 1/11).

Der Angeklagte suchte sich die Webseite mehrerer Glücksspiel-Anbieter heraus und drohte ihnen mit DDoS-Attacken, die ihre Server zu bestimmten wichtigen Sport-Großereignissen lahmlegen würden. Für einen Betrag zwischen 1.000,- EUR und 2.000,- EUR unternahm er keinen Angriff.

Bei den Unternehmen, die nicht sofort reagierten, führte er DDoS-Angriffe durch, wodurch die Server der Firmen zahlreiche Stunden nicht erreichbar waren. Den betroffenen Unternehmen entstand z.T ein mittlerer sechsstelliger EUR-Betrag als Schaden.

Die Düsseldorfer Richter verurteilten den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 10 Monaten.

Es läge sowohl der Tatbestand der Erpressung als auch der Computersabotage vor. Die DDoS-Attacken seien strafbar nach § 303 b Abs.1 Nr.2, Abs.2 StGB, denn durch das "Überfluten" des Servers mit Anfragen sei der Betrieb des Rechners zum Erliegen gekommen.

Erst Mitte 2007 traten die jetzt relevanten Änderungen des § 303 b StGB in Kraft. Vorher wurden DDoS-Attacken als Fall der strafbaren Nötigung eingestuft, so das AG Frankfurt a.M. (Urt. v. 01.07.2005 - Az.: 991 Ds-6100 Js 226314/01), bei dem jemand zur Blockade der Lufthansa-Webseiten aufgerufen hatte. Die Entscheidung des AG Frankfurt a.M. wurde jedoch später durch das OLG Frankfurt a.M. (Beschl. v. 22.05.2006 - Az.: 1 Ss 319/05) wieder aufgehoben.