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Kategorie: Onlinerecht

AG Düsseldorf: Bei Online-Buchung eines Flugtickets trifft Fluggesellschaft Hinweispflicht, dass Check-In nur noch wenige Minuten möglich

Eine Fluggesellschaft muss die Kosten des Flugscheins erstatten, wenn ein Fluggast aufgrund fehlender Hinweise auf eine kurze Check-in-Zeit den Flug verpasst.

Bei der Online-Buchung eines Flugtickets trifft die Fluggesellschaft eine entsprechende Warn- und Hinweispflicht, wenn der Check-In nur noch wenige Minuten möglich ist (AG Düsseldorf, Urt. v. 17.06.2024 - Az.: 37 C 294/24).

Der Kläger erwarb während eines Aufenthalts im Flughafen Beirut ein entsprechendes Online-Ticket für eine Flugreise. Die Buchung erfolgte um 12:06 Uhr, die Reise sollte um 13:10 Uhr starten.

Der Kläger erhielt die Buchungsbestätigung per E-Mail um 12:09 Uhr. Als er kurze Zeit danach einchecken wollte, ging dies nicht mehr, weil der Check-In bereits um 12:10 Uhr geschlossen hatte.

Der Kläger verlangte darauf die die Erstattung seiner Reisekosten:

Zu Recht, wie das das AG Düsseldorf entschied.

Denn die verkaufende Fluggesellschaft träfen entsprechende Warnpflichten, wenn der Check-In - wie hier - nur noch kurze Zeit verfügbar sei:

"Ein Anspruch ergibt sich jedoch aus nationalem Recht gemäß § 280 Abs. 1 BGB in Verbindung mit § 241 Abs. 2 BGB und § 249 Abs. 1 BGB. 

Die Beklagte trifft bei einem Luftbeförderungsvertrag die Nebenpflicht, den Fluggast vor Vertragsschluss darüber aufzuklären, wie viel Zeit noch bis zum Check-In besteht. 

Eine Information innerhalb von AGB genügt nicht, da bei einer kurzfristigen eiligen Buchung nicht erwartet werden kann, dass der Fluggast sich die Informationen dort heraussucht. Der Fluggast kann von einem Luftfahrtunternehmen erwarten, dass ein Verkauf von Flugscheinen nur solange erfolgt wie es dem Fluggast möglich ist, das Einchecken bei gewöhnlichem Verlauf der Dinge noch durchführen zu können. 

Dies ist bei einem Schluss des Online-Check-In eine Minute nach Übersendung der Buchungsbestätigung, die gemäß Anlage K1 die Uhrzeit 11:09 Uhr aufweist, nicht der Fall, da auch für einen Online-Check-In ein Zeitraum von jedenfalls 5 Minuten zugrunde zu legen ist, da zunächst die Buchungsbestätigung per E-Mail abegerufen werden muss und sich mit den Abläufen vertraut gemacht werden muss. 

Die Beklagte traf daher die Pflicht, den Kläger vor Annahme des Buchungsauftrags darauf aufmerksam zu machen, dass der Check-In um 11:10 Uhr schließt und daher die Gefahr besteht, dass der Kläger den Flug trotz Buchung nicht nutzen kann. Diese Hinweispflicht hat die Beklagte verletzt."

Und weiter:

"Die Kosten des Flugscheins sind adäquat-kausaler Schaden der Verletzung der Hinweispflicht, denn hätte die Beklagte darauf hingewiesen, dass der Check-In voraussichtlich nicht mehr erreicht werden kann, hätte der Kläger die Buchung nicht durchgeführt und wäre daher die Verpflichtung zur Zahlung des Flugpreises gegenüber der Beklagten nicht eingegangen. 

Hinsichtlich der Kausalität bei der Unterlassung notwendiger Informationen gilt die Vermutung beratungsrichtigen Verhaltens. Mangels anderer Anhaltspunkte kann unterstellt werden, dass der Kläger bei ordnungsgemäßer Information den Flug nicht gebucht hätte."

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