Kanzlei Dr. Bahr
Navigation
Kategorie: Onlinerecht

LG Berlin II: Affiliate-Links müssen deutlich gekennzeichnet werden, Einkaufswagen-Symbol nicht ausreichend

Affiliate-Links auf Webseiten müssen klar als Werbung gekennzeichnet sein. Ein Einkaufswagen-Symbol allein reicht dafür nicht aus.

Affiliate-Links müssen auf einer Webseite hinreichend deutlich als Werbung gekennzeichnet werden. Alleine das Symbol eines Einkaufswagens ist hierfür nicht ausreichend (LG Berlin II, Urt. v. 02.08.2024 - Az.: 102 O 27/24).

Der verklagte Verlag betrieb eine Homepage, auf der Testberichte zu unterschiedlichen Produkten veröffentlicht waren. In den Artikeln waren die Waren jeweils mit mit Affiliate-Links versehen. Bei den Links befand sich teilweise das Symbol eines Einkaufwagens.

Am Ende der jeweiligen Artikel blendete die Beklagte Felder mit der Bezeichnung “FAQ” ein, in denen sich unter anderem der Hinweis befand: 

"Wir haben Affiliate-Partnerschaften und erhalten deshalb eine geringe Provision, wenn über einen Link mit (Einkaufswagen) ein Produkt gekauft wird. Die Auswahl der Produkte wird davon nicht beeinflusst, unsere Autoren arbeiten zu 100% unabhängig."

Die Beklagte vertrat den Standpunkt, dass Internet-User wüssten, dass sich Online-Webseiten auch über Affiliate-Einnahmen finanzieren würden. Kein Verbraucher erwarte daher, dass derartige Links unentgeltlich gesetzt würden.

Das LG Berlin folgte der Ansicht der Beklagten nicht und verurteilte das Unternehmen zur Unterlassung.

Die verwendeten Symbole und Hinweise seien nicht ausreichend, um Verbraucher darauf hinzuweisen, dass es sich um Affiliate-Links und somit um Werbung handle. Es sei unerlässlich, dass Werbung und redaktionelle Inhalte klar getrennt würden. 

User müssten auf den ersten Blick erkennen können, dass wirtschaftliche Interessen hinter den Links stünden. Die Kennzeichnung mit dem Einkaufswagen-Symbol sei hierfür nicht ausreichend:

"Angesichts dessen war das von der Beklagten in ihrem Vorbringen besonders hervorgehobene Einkaufswagensymbol für sich genommen nicht geeignet, den Verbraucher auf eine Vergütungsabrede zwischen der Beklagten und dem Anbieter hinzuweisen. 

Es war nicht ersichtlich und ist auch von der Beklagten nicht näher begründet worden, dass dieses Symbol allgemein mit Hinweisen auf Affiliate-Links in Verbindung gebracht würde (…). Vielmehr erschließt sich dem Verbraucher nur, dass ihm durch einen Klick auf dieses Symbol die Möglichkeit eines unmittelbaren Erwerbs der getesteten Produkte geboten wird. Ohne nähere Hinweise macht sich der Verbraucher hingegen keine weiteren Gedanken über eine Vergütung der Beklagten durch den jeweiligen Hersteller beziehungsweise Anbieter."

Und weiter:

"Auch dass die übrigen Verlinkungen in den fraglichen Beiträgen den Leser nicht nur über Erwerbsmöglichkeiten informieren und ihn auf kommerzielle Seiten leiten wollen, sondern auch der Generierung von Erlösen der Beklagten dienen, wird nicht deutlich. 

Trotz einer möglicherweise weiten Verbreitung des Erlösmodells über Affiliate-Links kann nicht festgestellt werden, dass der durchschnittlich informierte Verbraucher davon ausgeht, es handele sich bei Verlinkungen in einem redaktionellen Beitrag auf einem Internetportal stets um Affiliate-Links mit entsprechendem Vergütungsmodell."

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig, es läuft vor dem KG Berlin das Berufungsverfahren (Az.: 5 U 50/24).

Rechts-News durch­suchen

22. Juli 2026
Amazon durfte Werbung bei Prime Video einführen. Verbraucher haben keinen Anspruch auf Schadensersatz.
ganzen Text lesen
21. Juli 2026
Wer Kleidung im Online-Shop verkauft, muss die Materialzusammensetzung direkt auf der Bestellseite angeben. Ein bloßer Link genügt hierfür nicht.
ganzen Text lesen
17. Juli 2026
Wer Schuhe unter einem bestimmten Markennamen bewirbt, aber ein anders gebrandetes Produkt liefert, handelt irreführend und muss dies unterlassen.
ganzen Text lesen
15. Juli 2026
Eine AGB-Klausel, die es dem Mobilfunkanbieter Telefónica Verträge mit einer Mindestlaufzeit jederzeit vorzeitig einseitig zu kündigen, benachteiligt…
ganzen Text lesen

Rechts-News durchsuchen