Rechtlich umstrittene Anti-Spam-Kampagne von Lycos

14.12.2004

Lycos Europe hat vor kurzem eine Anti-Spam-Kampagne gegen unerwünschte E-Mails ausgerufen: "Make Love not Spam". Der Surfer konnte sich einen Bildschirmschoner herunterladen, der dann bestimmte Spam-Server attackierte. Durch diese künstlich produzierte hohe Nachfrage sollten die Spam-Server dann lahmgelegt bzw. in ihrer Nutzung eingeschränkt werden.

Wenige Tage nach Beginn dieser Aktion hat Lycos Europe wieder Abstand von diesem Vorhaben genommen und dafür organisatorische Gründe angegeben.

Unabhängig vom Sinn bzw. Unsinn einer solchen Aktion, dürfte der Rückzug inzwischen überwiegend aus juristischen Gründen motiviert sein. Denn Lycos Europe organisiert hier nichts anderes als eine breitangelegte DDoS-Attacke gegen die betreffenden Server.

Nach deutschem Recht wird ein solches Handeln jedoch die Strafnormen der Datenveränderung (§ 303 a StGB) und der Computersabotage (§ 303 b StGB) erfüllen. Selbst wenn in dem Handeln des Surfers kein selbständiger Tatbeitrag zu sehen sein sollte, so liegt in jedem Fall eine strafbare Beihilfe (§ 27 StGB) vor.

Auch zivilrechtlich ist die Rechtslage relativ klar: Ein solches Vorgehen erfüllt sowohl die Voraussetzungen der vorsätzlichen sittenwidrigen Schädigung (§ 826 BGB) als auch der unerlaubten Handlung (§ 823 BGB). Rechtsfolge ist die sofortige Beseitigung der Störung als auch die Leistung eines angemessenen Schadensersatzes.

Lycos Europe hat somit Recht getan, die Kampagne unverzüglich zu stoppen, um nicht sich selber und seine Kunden einem erheblichen Haftungsrisiko auszusetzen.