Kanzlei Dr. Bahr
Navigation
Kategorie: Onlinerecht

OLG Zweibrücken: Anforderungen an eigene Kenntnisse des Richters bei Urheberrechtsverletzungen

Will ein Gericht im Rahmen einer urheberrechtlichen Auseinandersetzung sich auf die eigene Sachkunde berufen und keinen Sachverständigen hinzuziehen, reicht es nicht aus, wenn es dabei auf die eigene allgemeine musikalische Schulausbildung Bezug nimmt. Vielmehr bedarf es weitergehender besonderer Kenntnisse, um einen Sachverständigen zu ersetzen (OLG Zweibrücken, Urt. v. 19.11.2015 - Az.: 4 U 186/14).

Die Parteien stritten um die Urheberrechtsfähigkeit von Arragements von Musikwerken. Das LG Frankenthal wies die Klage ab und berief sich dabei auf die eigene Sachkenntnis hinsichtlich der Musikstücke.

Einen Sachverständigen zog das Gericht nicht hinzu. Es berief sich dabei zum einen auf den Umstand, dass die Ausbildung in theoretischen und praktischen Grundlagen der Musik zur allgemeinen und schulischen Ausbildung gehöre. Zum anderen handle es sich bei den Richtern um langjährige Mitglieder einer auf Urheberrecht spezialisierten Kammer.

Diese Argumentation ließ das Gericht nicht gelten und hob das erstinstanzliche Urteil auf.

Ein Richter könne, so das OLG Zweibrücken, auf die Einholung eines Sachverständigengutachtens verzichten, wenn er entsprechende eigene, besondere Sachkunde aufweise.

Eine solche besondere Sachkunde sei im vorliegenden Fall nicht ersichtlich. Es reiche nicht aus, sich auf die allgemeine Schulausbildung oder eigene hobbymäßig betriebene Musiktätigkeiten zu berufen. Auch der Hinweis, dass die Kammer sich seit langem mit Urheberrechtsverletzungen auseinandersetze, genüge nicht, um ohne weiteres ein besonderes musikalisches Fachwissen zu begründen.

Rechts-News durch­suchen

20. Oktober 2026
Plattformbetreiber, die den Handel mit manipulierten Spielerkonten ermöglichen und dabei fremde Marken nutzen, haften für Urheberrechts- und…
ganzen Text lesen
14. Oktober 2026
Wer ein urheberrechtlich geschütztes Foto ohne Erlaubnis des Urhebers und ohne Urheberbenennung auf Pinterest zu Werbezwecken einsetzt, haftet auf…
ganzen Text lesen
13. Oktober 2026
Wer eine eidesstattliche Versicherung als Nachweis der Urheberschaft ablehnt, gibt damit Anlass zur gerichtlichen Geltendmachung. Im Zweifel trägt er…
ganzen Text lesen
25. September 2026
Wer die Ergebnisse von Stiftung Warentest mit Affiliate-Links verknüpft, nutzt die bekannte Marke zu Werbezwecken aus und muss mit Unterlassungs- und…
ganzen Text lesen

Rechts-News durchsuchen