Kanzlei Dr. Bahr
Navigation
Kategorie: Onlinerecht

LG Bochum: Privater Livestream bleibt privat und darf nicht ungefragt online veröffentlicht werden

Auch im Livestream gilt der Persönlichkeitsschutz. Wer private Gespräche heimlich aufzeichnet und die Aufnahmen anschließend veröffentlicht, verletzt die Rechte der Betroffenen.

Wer in einem privaten Livestream spricht, darf selbst entscheiden, ob seine Stimme später öffentlich abgespielt wird. Dies hat das LG Bochum klargestellt (LG Bochum, Urt. v. 11.06.2026 - Az. 8 O 92/26).

Der Kläger hatte sich in einem auf rund 30 Personen begrenzten privaten Livestream auf einer Online-Plattform geäußert. Ein anderer Nutzer, der Beklagte, spielte anschließend Ausschnitte dieser Äußerungen in seinem eigenen öffentlichen Livestream ab und nannte dabei den Vornamen sowie den Nutzernamen des Klägers. Dieser verlangte, dass eine erneute Veröffentlichung der Tonaufnahmen zu unterbleiben habe.

Das OLG Köln erließ eine einstweilige Verfügung (OLG Köln, Beschl. v. 18.05.2026 - Az.: 15 W 48/26). Siehe dazu auch unsere Kanzlei-News vom 25.06.2026.

Gegen diesen Beschluss wehrte sich der Beklagte nun vor dem LG Bochum.

Das LG Bochum bestätigte die vom OLG Köln erlassene einstweilige Verfügung.

Dem Kläger stehe grundsätzlich das Recht zu, selbst zu bestimmen, ob und vor wem seine Stimme abgespielt werde.

Ein privater Livestream mit zugangsbeschränkter Teilnehmerliste sei kein öffentlicher Raum. Dort getätigte Äußerungen und ohne Einwilligung erstellte Tonaufnahmen dürften daher nicht ohne Zustimmung des Betroffenen in einem öffentlichen Stream verbreitet werden.

Das vom Beklagten geltend gemachte Informationsinteresse rechtfertige die Veröffentlichung nicht, auch nicht, soweit er dem Kläger das Verbreiten falscher Informationen vorwerfe.

Ein Gegenkommentar im Netzwerk sei kein geeigneter Ausgleich für die Rechtsverletzung, da es nicht um den Inhalt der Äußerungen gehe, sondern um die unbefugte Nutzung der Stimme als solches:

"Ein privater Livestream ist mit einem Setting vor großem Publikum nicht zu vergleichen. (…)

Es würde zu einer Verwilderung des Umgangs führen, wollte man es für zulässig halten, dass eine Äußerung immer schon dann gegen den Willen des Äußernden aufgenommen werden darf, wenn ihr eine rechtliche Bedeutung zukommt (...). Es muss demnach akzeptiert werden, wenn eine Zustimmung zur Fertigung einer Tonbandaufnahme auch bei bestehendem rechtlichen Interesse nicht erteilt wird.

Demnach vermag auch das - ggf. berechtigte - Interesse des Verfügungsbeklagten sich zu Recherchemethoden sowie Art und Inhalt der journalistischen Tätigkeit des Verfügungsklägers zu äußern - auch kein berechtigtes Dokumentations- bzw. Informationsinteresse zu begründen."

Rechts-News durch­suchen

29. September 2026
Wer wie Booking.com als Buchungsplattform private Vermieter vermittelt, muss Gästen nach der Buchung sofort deren Namen und Adresse mitteilen.
ganzen Text lesen
24. September 2026
Der Futterautomat mit Kamera und Mikrofon (Smart Pet Feeder) ist kein verbotenes Abhörgerät, weil seine Funktion objektiv erkennbar ist.
ganzen Text lesen
23. September 2026
Weil Google Standortdaten intransparent erhoben und länger als nötig gespeichert hat, hat die irische Datenschutzbehörde ein DSGVO-Bußgeld in Höhe von…
ganzen Text lesen
23. September 2026
Wer wegen einer verschwundenen Einsatzakte Schmerzensgeld fordert, hat keinen Anspruch, wenn die DSGVO auf diese Akten gar nicht anwendbar ist.
ganzen Text lesen

Rechts-News durchsuchen