LG Berlin: Kein Rechtsverstoß der Presse bei Bericht über bezahltes Doping-Gutachten

20.12.2010

Eine Journalistin darf in einem Zeitungsartikel darüber berichten, dass eine unter Doping-Verdacht stehende Eisschnell-Läuferin ein bezahltes Gutachten auf einer Pressekonferenz vorgestellt hat (LG Berlin, Urt. v. 26.10.2010 - Az.: 27 O 577/10).

Bei der Klägerin handelte es sich um eine Eisschnell-Läuferin, welche u.a. bei den Olympischen Spielen Medaillen gewonnen hatte. Es wurden bei ihr erhöhte Blutwerte festgestellt, woraufhin sie wegen angeblichen Dopings vom Eislauf-Weltverband für zwei Jahre gesperrt wurde, was der internationale Sportgerichtshof bestätigt hatte. In einer Pressekonferenz stellte sie ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten vor. Das von einem Wissenschaftler erstellte Gutachten kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem erhöhten Blutwert um eine natürliche, genetisch bedingte Ursache handle.

Die beklagte Journalistin berichtete über dieses Gutachten und erklärte, dass es sich um ein von der Klägerin bezahltes Gutachten handle. Diese Äußerung hielt die Klägerin für eine Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte. Ein beauftragtes Gutachten sei ihrer Ansicht nach nicht mit einem bezahlten Gutachten zu vergleichen.

Die Berliner Richter schlossen sich dieser Ansicht nicht an, sondern wiesen die Klage ab.

Zwar enthalte die Äußerung die Behauptung, das Gutachten sei von der Klägerin bezahlt worden. Dabei könne dahinstehen, ob die Klägerin tatsächlich selbst die Rechnungen erhalten habe, oder das Gutachten in Auftrag gegeben habe und die Rechungen der Verband bezahlt habe.

Denn der Leser verstehe in der Aussage nur, dass die Journalistin die Glaubwürdigkeit des Gutachtens in Zweifel ziehen wolle. Wer tatsächlich die Rechnung hierfür bezahlt habe, sei nicht entscheidend.