OLG Dresden: Rechtswidrige Berichterstattung über Suizid des Sohnes einer ehemaligen Ministerin

29.12.2011

Eine Presseberichterstattung über den Suizid des Sohnes einer ehemaligen Ministerin ist rechtswidrig und verletzt diese in ihrem Recht, mit der Trauer allein gelassen zu werden und den Tod des nahen Angehörigen zu verkraften. Der Zeitungsartikel stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Rechte der Betroffenen dar und kann einen Geldentschädigungsanspruch in Höhe von 8.000,- EUR auslösen (OLG Dresden, Urt. v. 12.07.2011 - Az.: 4 U 188/11).

Bei der Klägerin handelte es sich um einen ehemalige Ministerin, die seit Jahren nicht mehr in der Politik tätig war. Sie ging gegen die Beklagte, eine Zeitung, vor, weil diese über den Selbstmord ihres Sohnes und eine angebliche Suizidgefährdung der Klägerin selbst berichtet hatte.

Die Richter stuften den Bericht als rechtswidrig ein und sprachen der Klägerin einen Schadensersatz iHv. 8.000,- EUR zu.

Die Berichterstattung greife in das Allgemeine Persönlichkeitsrecht der Klägerin ein. Dieser Eingriff sei auch nicht im Rahmen einer Abwägung mit der Pressefreiheit und dem öffentlichen Informationsinteresse gerechtfertigt. Die Persönlichkeitssphäre der Klägerin werde verletzt, da diese ein Recht darauf habe, mit ihrer Trauer allein gelassen zu werden. Dies gelte auch für in der Öffentlichkeit bekannte Personen.

Denn bei einem Suizid handle es sich naturgemäß um einen privaten Vorgang, der kein berechtigtes Informationsinteresse begründe und aus dem Licht der Öffentlichkeit zu halten sei.