OLG Köln: Schmerzensgeld für Eva Herman gegen Hamburger Abendblatt wegen Zitaten zur NS-Zeit

04.10.2009

Das Hamburger Abendblatt muss Eva Herman Schmerzensgeld iHv. 25.000,- EUR zahlen, weil ihre umstrittenen Äußerungen zur Stellung der Mutter während der NS-Zeit fehlerhaft wiedergegeben wurden, so das OLG Köln (Urteil v. 28.07.2009 - Az.: 15 U 37/09).

Während einer Buchmesse erklärte die Nachrichtensprecherin Eva Hermann wörtlich:

"Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ´ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde.

Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das - alles was wir an Werten hatten - es war ´ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle - aber es ist eben auch das, was gut war - das sind die Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben."

Eine Journalistin des Hamburger Abendblatts fasste diese wie folgt zusammen:

"In diesem Zusammenhang macht die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich. Da sei vieles sehr schlecht gewesen, z.B. Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat."

Hiergegen klagte die TV-Prominente, weil sie die Zusammenfassung als falsch ansah.

Und bekam von den Kölner Richtern Recht. Es handele sich bei der Aussage um ein Falschzitat. Der Artikel schreibe Eva Herman eine Äußerung zu, die sie so nicht getätigt habe. Dass Eva Herman die Wertschätzung der Mutter im Dritten Reich gutheiße, stelle eine Interpretation der Journalistin dar. Dies sei aber nicht erkennbar, vielmehr erscheine es als Zitat. Die sich daraus ergebende Tatsachenbehauptung, Eva Hermann habe sich eindeutig in der Weise geäußert wie es der Artikel suggeriert, sei unwahr.

Die im Rahmen der Buchpräsentation gefallene Äußerung Eva Hermans, "das Bild der Mutter in Deutschland", dessen Wertschätzung "mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde", sei nicht eindeutig. Einerseits könne sie so verstehen wie die Journalistin, dass die 68er-Bewegung den Nationalsozialismus und mit ihm dessen Mutterbild abgeschafft habe. Andererseits sei aber auch eine Interpretation dahin gehend denkbar, dass bereits der Nationalsozialismus die Wertschätzung der Mutter abgeschafft habe. Die Pflicht der Journalistin sei es daher gewesen, ihre eigene Interpretation als solche kenntlich zu machen.

Dieser Fehler führe zu einer erheblichen Rechtsverletzung, der einen Schmerzensgeldanspruch von 25.000,- EUR rechtfertige.