Kanzlei Dr. Bahr
Navigation
Kategorie: Onlinerecht

BGH: Geschützte Firmen-Namen dürfen ohne Genehmigung auf Spielzeug-LKW genutzt werden

Geschützte Firmen-Namen dürfen ohne Genehmigung auf Spielzeug-LKW genutzt werden, da hieran ein berechtigtes Interesse besteht (BGH, Urt. v. 12.01.2023 - Az.: I ZR 66/22).

Klägerin war ein bekanntes Logistikunternehmen, das über entsprechende markenrechtliche Eintragungen für den Bereich Transport- und Logistikbereich verfügte ("DACHSER"). Sie nutzte die Zeichen u.a. auch auf LKWs.

Beklagte war ein im Modellautos und sonstigen Modellanlagen spezialisierte Firma, die den Namen auf ihren Produkten benutzte, um die Fahrzeuge der Klägerin nachzubilden.

Der Klägerin sah ihre Markenrechte verletzte und klagte.

Und verlor vor dem BGH.

Die amtlichen Leitsätze lauten:

"1. Angesichts der jahrzehntelangen Üblichkeit detailgetreuer Nachbildungen im Modellspielzeugbau und der Erwartung, die der Verkehr hieran stellt, besteht ein berechtigtes Interesse, ein in der Realität vorkommendes Fahrzeug nachzubauen und darauf nicht nur - wie in der Wirklichkeit - das Kennzeichen des Herstellers des jeweiligen Fahrzeugs, sondern auch Kennzeichen anzubringen, die Unternehmen auf solchen Fahrzeugen zum Zwecke der Werbung für ihre Dienstleistungen verwenden. Wenn ein von einem Dritten detailgetreu nachgebildetes Kfz-Modell an der entsprechenden Stelle die Abbildung einer bekannten Dienstleistungsmarke trägt, ist eine Ausnutzung des Rufs "in unlauterer Weise" im Sinne von § 14 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 MarkenG nur dann gegeben, wenn über die bloße wirklichkeitsgetreue Abbildung hinaus in anderer Weise versucht wird, die Wertschätzung der bekannten Marke werblich zu nutzen. Ergibt sich beim Vertrieb solcher Spielzeugautos jeglicher Zusammenhang mit der Marke allein aus der spielzeughaft verkleinerten Nachbildung des Originals zwangsläufig wie beiläufig, fehlt es an dem Merkmal der unlauteren Rufausnutzung (Bestätigung und Fortführung von BGH, Urteil vom 14. Januar 2010 - I ZR 88/08, GRUR 2010, 726 = WRP 2010, 1039 - Opel-Blitz II).

2. Wegen der jahrzehntelangen Üblichkeit detailgetreuer Nachbildungen der Realität im Spielzeug- und Modellbereich und einer entsprechenden Verbrauchererwartung besteht ein berechtigtes Interesse des Spielzeugherstellers, nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Gebäude als Modelle vertreiben zu können, auf denen bekannte Marken angebracht sind, soweit sie eine Miniaturdarstellung der Realität darstellen. Nach den Umständen des Einzelfalls kann es ausreichen, wenn das Modell die für die Unternehmensidentität entscheidenden Gestaltungsmerkmale einschließlich des Logos übernimmt, so dass der Verkehr in dem Modell den Nachbau eines in der Realität typischerweise vorkommenden Gebäudes des Markeninhabers erkennt."

Rechts-News durch­suchen

13. Juni 2024
Ein Unternehmen verstößt gegen SEPA-Vorschriften, wenn es durch Aussagen den Eindruck vermittelt, ein ausländisches Konto nicht zu akzeptieren.
ganzen Text lesen
12. Juni 2024
Ein Biozid-Hinweis, der in einem Online-Shop erst nach dem Klick auf einen Link sichtbar wird, erfüllt nicht die gesetzlichen Anforderungen und ist…
ganzen Text lesen
07. Juni 2024
Zwischen einem Fluggastrechteportal und einer Fluggesellschaft besteht kein konkretes Wettbewerbsverhältnis.
ganzen Text lesen
03. Juni 2024
Ein Online-Shop darf keine Vorkasse verlangen, bevor der Vertrag abgeschlossen ist, da dies den Verbraucher unangemessen benachteiligt und einen…
ganzen Text lesen

Rechts-News durchsuchen