BMW.de aus dem Google-Index wg. Doorway-Pages geflogen

05.02.2006

Es ist schon lange keine Seltenheit mehr, das auch große, namhafte Portale fragwürdige Suchmaschinen-Optimierungstechniken (z.B. Doorway-Pages) einsetzen. So z.B. T-Online die Kanzlei-Infos v. 13.02.2005.

Das Suchmaschinen-Wiki definiert eine Doorwaypage als

"eine Seite die ausschliesslich erstellt wurde, um für einen bestimmten Suchbegriff oder eine Suchphrase ein hohes Ranking bei Suchmaschinen zu erreichen, wird als Doorwaypage oder Brückenseite bezeichnet. Typischerweise enthält eine Doorwaypage keine für Besucher nützliche Information, und hat die Aufgabe, diesen auf die eigentliche, weniger optimierte Website weiterzuleiten. Oft werden Doorwaypages in Verbindung mit Spam-Techniken wie automatischer Weiterleitung oder Cloaking eingesetzt."

Eine solche Technik hat nun auch der bekannte Münchener Autohersteller unter bmw.de benutzt. Und ist deswegen aus dem Google-Index geflogen.

Matt Cutts, Senior Google Engineer, stellt das aktuelle Beispiel anschaulich auf seiner Webseite dar. Normale Besucher hatten Seiten mit schönen Autobildern gesehen, während der Google-Bot reine Texte-Wüsten mit wichtigen Keywords präsentiert bekam.

Dies ist eine klare Verletzung der Google-Richtlinien.

Es sei hier noch einmal angemerkt, dass das BMW-Beispiel nur eines von vielen ist. So hatte Matt Cutts in seinem Artikel bereits angekündigt, dass Ricoh.de ebenfalls gekickt werde, was inzwischen bereits eingetreten ist.

Spätestens an diesem Punkt stellt sich nun die ganz allgemeine Frage, ob der Einsatz von Doorway-Pages rechtlich zulässig ist.

Gegen die Verwendung von Doorway-Pages ist aus rechtlicher Sicht zunächst nichts einzuwenden. So können sie gerade für Web-Inhalte, die gar nicht oder nur schlecht von Suchmaschinen indiziert werden können (z.B. Flash-Seiten), ein sinnvolles Mittel sein.

Die Praxis zeigt jedoch derzeit ein anderes Bild. Häufig werden Doorway-Pages ohne jede Bezug zum tatsächlich angebotenen Web-Inhalt verwendet. Mittels unendlich langer Keyword-Listen, die aktuelle und wichtige Begriffe enthalten, verschafft sich der Betreiber der Webseite eine hohe Suchmaschinen-Positierung. Doorwaypages werden häufig auch mit Cloaking-Seiten zusammen benutzt.

Ein solches Verhalten verstößt gegen die Benutzungsregeln sämtlicher großer Suchmaschinen. Aus diesem Verstoß alleine lassen sich noch keine Rückschlüsse auf die Rechtswidrigkeit bzw. Rechtmäßigkeit ableiten, da relativ offen ist, ob der Webseiten-Betreiber überhaupt verpflichtet ist, sich an diese Regeln zu halten.

Gibt der Betreiber einer Webseite aber mittels Doorwaypages vor, Inhalte, Produkte oder Dienstleistungen im Internet anzubieten, die es in Wahrheit gar nicht gibt, handelt er irreführend und somit wettbewerbswidrig. Denn er täuscht etwas vor, was es gar nicht gibt. Zudem ist ein solches Handeln unlauter, da er durch unsachliche Mittel ein höheres Suchmaschinen-Ranking erzielt.

Die Rechtsprechung zu SEO steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, daher ist nur eine rudimentäre Beurteilung möglich. Bislang liegen nur vereinzelte Urteile vor.

Siehe generell zu Suchmaschinen und den damit zusammenhängenden rechtlichen Problemen das Info-Portal unserer Kanzlei "Suchmaschinen & Recht".