LG Hamburg: Kein Vergütungsanspruch trotz Abdruck von Nacktfotos in BILD

26.05.2007

Das LG Hamburg (Urt. v. 19.01.2007 - Az.: 324 0 568/06) hatte über den Vergütungsanspruch für den Abdruck von Nacktfotos in der bekannten Tageszeitung BILD zu entscheiden.

Die Klägerin war hauptberuflich Verkäuferin und nicht als Fotomodell tätig. Im Verlag der Beklagten erscheint u. a. BILD, auf deren Titelseite jeweils montags in der Rubrik „Montagsmädchen" Fotos von mehr oder weniger bekleideten Frauen abgedruckt werden. Hierbei handelt es sich um Laienmodelie.

Die Klägerin bewarb sich für die Fotorubrik bei der Beklagten. Im Rahmen der Fotoablichtungen unterschrieb die Klägerin auch die Einwilligung, dass die Bilder veröffentlicht werden dürften.

Wenig später erschien ein Foto der Klägerin, welches sie nur mit einem Slip bekleidet zeigte. Daraufhin verlangte sie ein angemessenes Schmerzensgeld, alternativ die Bezahlung eines Honorars.

Zu Unrecht wie die Hamburger Richter nun entschieden:

"Die Klägerin hat keinen Anspruch auf Zahlung einer Geldentschädigung (...). Gemäß § 22 Satz 1 KUG dürfen Bildnisse zwar nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Dass die Klägerin eine solche Einwilligung erteilt hat, ist indes letztlich nicht hinreichend substantiiert bestritten und gilt damit (...) als zugestanden: Ihrer Darlegungs- und Beweislast hinsichtlich des Vorliegens der Einwilligung hat die Beklagte mit ihrem Vortrag genügt, die Klägerin habe während eines Fototermins in die Veröffentlichung der dort entstandenen Fotos in der „Bild"-Zeitung unter der Rubrik „Montagsmädchen" eingewilligt und diese Einwilligung auch schriftlich bestätigt."

Hinsichtlich des alternativ geltend gemachten Vergütungsanspruchs meinen die Juristen:

"Unstreitig gibt es keine ausdrückliche Vereinbarung über eine (...) Geldzahlung (...). Eine Vergütungsvereinbarung ist aber auch nicht stillschweigend geschlossen worden. Dies wäre (...) nur dann der Fall, wenn die Einwilligung und Mitwirkung der Klägerin den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist.

Es obliegt der Klägerin, das Vorliegen derartiger Umstände darzulegen und zu beweisen (...). Dies ist ihr nicht gelungen. (...) Eine Pflicht zur Vergütung ergibt sich objektiv namentlich nicht allein aus der Tatsache, dass die Klägerin auf dem streitgegenständlichen Foto weitgehend unbekleidet abgebildet ist. Zwar wird vertreten, dass Nacktfotos üblicherweise nur gegen Entgelt zu veröffentlichen sind (...). Auch ein solcher Grundsatz könnte indes keineswegs absolut gelten, es ist vielmehr stets auf die Umstände des Einzelfalles abzustellen (...).

Diese sprechen hier aber durchweg gegen die Annahme einer Entgeltlichkeit: In der Rubrik, in der die streitgegenständliche Fotografie veröffentlicht wurde, werden unbestritten ausschließlich Fotos von Laienmodellen veröffentlicht; auch die Klägerin ist beruflich nicht als Fotomodell tätig."