Kanzlei Dr. Bahr
Navigation
Kategorie: Onlinerecht

OGH: Liken eines ehrverletzenden Facebook-Postings ist nicht automatisch Rechtsverstoß

Ein "Like" unter einem beleidigenden Facebook-Kommentar stellt nicht automatisch eine Ehrenbeleidigung dar, sondern kann je nach Kontext nur unspezifische Antipathie ausdrücken.

“Liken” bedeutet nicht automatisch eine Zustimmung zu allen Aspekten der Äußerung eines Dritten.

Der Kläger veröffentlichte auf seinem Facebook-Profil ein Posting über eine Familienfeier samt einem (den Kläger und seine Ehefrau zeigenden) Foto. Ein dritter User veröffentlichte als Reaktion darauf im Kommentarfeld eine beleidigende Äußerung über den Kläger. Auf diesen Kommentar reagierte die Beklagte mit der „Gefällt mir“- Funktion. Sie setzte also ein „Like“ unter den Kommentar des Dritten.

Der Kläger beantragte die Erlassung einer einstweiligen Verfügung, mit der der Beklagten zusammengefasst das „Liken“ von den Kläger beleidigenden Äußerungen verboten werden sollte.

Der Oberste Gerichtshof prüfte, ob das „Liken“ als Äußerung im Sinn des § 1330 ABGB gewertet werden kann und wie sein Bedeutungsgehalt ermittelt wird. Das hängt immer vom konkreten Kontext (der gelikten Äußerung, dem Kommunikationsverlauf in dem sozialen Medium, dem kulturellen Umfeld etc) ab. Entscheidend ist, wie die durchschnittlichen Betrachter das zu einem bestimmten Inhalt gesetzte „Like“ auffassen. Hingegen ist nicht maßgeblich, was die Person, die das „Like“ setzte, ausdrücken wollte.

Ausgangspunkt der Erwägungen ist, dass auch mit Bildern oder grafischen Zeichen gedankliche Inhalte ausgedrückt werden. Im konkreten Kommunikationsverlauf ging der OGH davon aus, dass das „Like“ von den durchschnittlichen Betrachtern des Facebook-Profils als Ausdruck unspezifischer Antipathie gegenüber dem Kläger oder gegenüber dessen öffentlicher Zurschaustellung seines privaten Eheglücks aufgefasst wird Darin liegt aber keine Ehrenbeleidigung. Die einstweilige Verfügung wurde daher abgewiesen.

OGH, Urt. v. 26.05.2026 - Az.: 6 Ob 26/26f 

Quelle: Pressemitteilung des OGH v. 05.06.2026

Rechts-News durch­suchen

19. August 2026
Müssen die wesentlichen Informationen einer gemeinsamen DSGVO-Verantwortlichkeit unaufgefordert online gestellt werden oder reicht eine Auskunft auf…
ganzen Text lesen
18. August 2026
Unternehmen, die Werbe-Mails versenden, müssen im Streitfall die wirksame Einwilligung der Empfänger lückenlos nachweisen können. Andernfalls bleibt…
ganzen Text lesen
17. August 2026
Gemäß Art. 16 DSA müssen Plattformen es Nutzern leicht machen, rechtswidrige Inhalte zu melden. Ein unklarer Meldebutton („Ein Problem mit diesem…
ganzen Text lesen
14. August 2026
Wer ein Auto über einen längeren Zeitraum nutzt und den Kaufpreis kennt, kann sich nicht nachträglich auf einen fehlerhaften Online-Bestellbutton…
ganzen Text lesen

Rechts-News durchsuchen